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Mediengipfel am Arlberg: „Keine Angst, aber viele Sorgen“

Deutschland soll Europa aus der Krise führen

Beim 5. Mediengipfel am Arlberg stand heuer alles unter dem Thema „Ende oder Wende – Zerbricht Europa?“ Bereits traditionell ist die Diskussionsrunde von internationalen Experten und Medienvertretern am 2350m hohen Rüpfikopf unter der bewährten Leitung von ARD-Korrespondentin Susanne Glass. Initiiert von der Kommunikationsagentur pro.media, in Kooperation mit der Lech Zürs Tourismus GmbH, treffen sich alljährlich führende Auslandskorrespondenten internationaler Medien mit österreichischen Medienmachern, um aus unterschiedlichsten Länderperspektiven aktuelle Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Medien sowie deren gesellschaftspolitische Auswirkungen zu analysieren.

Im Vorfeld der Diskussion waren sich alle einig: Die kommenden Wochen werden zur Bewährungsprobe für das vereinte Europa. Während Ökonom Stephan Schulmeister den europäischen Politikern die Rute ins Fenster stellte und sie zum „sofortigen Umdenken“ aufforderte, um die seiner Meinung nach bedrohliche Schuldensituation in den Griff zu bekommen, spielte der ehemalige EU-Kommissar und Politikexperte Franz Fischler den Ball zurück an den Wirtschaftswissenschafter: „Die Ökonomen legen der Politik keine brauchbaren Instrumente zur Bewältigung der aktuellen Krise bereit.“ Schulmeister hält die Situation für ernst und zeigt sich besorgt über die Vorgehensweise der politisch Verantwortlichen: „Österreichs Schuldenbremse ist Ausdruck dieser Ahnungslosigkeit.“

Werner Weidenfeld,  Direktor des Centrum für angewandte Politikforschung in München (CAP) ist der Meinung, dass nur Deutschland die Möglichkeiten hat, Europa aus dieser Krise zu führen. Diese Einschätzung teilt auch der Osteuropa-Korrespondent des „Handelsblatt“, Stefan Menzel. Er sieht Deutschland in der Pflicht, die Führungsrolle zu übernehmen: „In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob der Euro platzt oder nicht.“ Generell war der Tenor der Veranstaltung ein doch sorgenvoller Blick in die Zukunft Europas.

 Zusammenfassend forderte Ökonom Schulmeister ein Ende der politischen Zurückhaltung, um der aktuellen Krise entsprechend begegnen zu können: „Leadership heißt auch, das Recht extensiv auszulegen. Denn wenn es brennt, hole ich auch keine wasserrechtliche Bewilligung ein.“ Politikberater Weidenfeld, der einen direkten Einblick in die Machtzentren Europas hat, äußerte sich beschwichtigend: „Ich habe keine Angst, aber viele Sorgen.“

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„Wir dürfen uns vom europäischen Weg nicht abbringen lassen.“

 

Hochkarätiger Mediengipfel im tiefwinterlichen Lech/Arlberg


Eine hochkarätige Runde an Diskutanten, die von Hans-Magnus Enzensberger über den ungarischen Staatssekretär Gergely Prőhle bis zu Österreichs Außenminister Michael Spindelegger reichte, versammelte sich heuer zum 4. Mediengipfel in Lech am Arlberg. Unter der professionellen Organisation der Kommunikationsagemtur promedia und der ausgezeichneten Leitung von ARD-Korrespondentin Susanne Glass, gleichzeitig Präsidentin der Auslandspresse, diskutierten 60 Auslandskorrespondenten die aktuellen Herausforderungen, vor denen Europa im allgemeinen und die EU im speziellen steht.

Was waren die zentralen Fragen, die sich rund um das Thema „Europäischer Traum – Europäisches Trauma“ spannten: Ist die europäische Währungsunion in Gefahr oder findet die EU künftig eine politische Stimme? Wie entwickelt sich der europäische Geist angesichts anhaltender wirtschaftlicher Erschütterungen? Außenminister Spindelegger bekräftigte in seinen Statements pro-Europa, dass die Krisenbewältigung in Europa erfolgversprechend sei. Große Bedeutung komme hier einer stärkeren und koordinierten Wirtschaftsaußenpolitik zu. Ein klares Plädoyer hielt der österreichische Außenminister für die Erweiterung der Europäischen Union. Allerdings: Die Erweiterung brauche aber eine andere Kommunikation, die viel deutlicher die positiven Auswirkungen zeige. In Österreich habe man dazu eine neue Initiative gesetzt. In rund 200 Gemeinden gäbe es mittlerweile sogenannte Europagemeinderäte, die eine stärkere regionale und lokale Verankerung des europäischen Gedankens unterstützen können. Spindelegger appellierte in Lech für eine wachsende Europäische Gemeinschaft, die aber auch gemeinsame Werte noch stärker in den Vordergrund stellen sollte. Derzeit konzentriere man sich angesichts der Herausforderungen stark auf koordinierte Außen- und Wirtschaftspolitik, doch auch ein gemeinsamer Wertekatalog sei wichtig. Wer gegen zentrale europäische Werte verstoße, müsse mit Widerstand rechnen. Spindelegger überzeugt: „Das hat Wirkung, wenn man auf europäischer Ebene scharf kritisiert wird!“

Die über die Jahre gelungene Etablierung eines hochwertigen Forums ist für Susanne Glass, der Mitinitiatorin der Veranstaltung, sehr erfreulich: „Lech am Arlberg hat sich in den vergangenen fünf Jahren als Treffpunkt internationaler Medienvertreter etabliert, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen, aber auch Arbeitsbedingungen zu reflektieren. Allein die Mitglieder in unserem Verband vertreten insgesamt rund 400 Medien aus rund 60 Ländern. Was unsere Mitglieder über Österreich schreiben und senden, erreicht hunderte Millionen Menschen in aller Welt.“